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05/24/06

Fisch... Hamburg

Der Startschuss zum 7. JungforscherCongress von juFORUM e.V. fiel am 29. März 2006. Aus allen Ecken Deutschlands machten sich Jungforscher zum jährlichen JungforscherCongress auf, um in den nächsten Tagen die Hansestadt Hamburg unsicher zu machen.

Uns wurden fünf Tage in Aussicht gestellt, in denen neue Freundschaften geknüpft wurden, alte Freundschaften aufgefrischt wurden, und nicht zuletzt standen Besichtigungen namhafter Firmen, Bildungseinrichtungen sowie das Kennenlernen der Stadt Hamburg, besonders des Nachtlebens, auf dem Programm.

Windhosen am Elbufer

Nur wenige Tage vor Beginn des JungforscherCongresses wurde Hamburg von zwei Windhosen heimgesucht - ein wirklich seltenes Phänomen, selbst für die Elbstadt! Bei jeder anderen Gelegenheit hätte man Angst bekommen, dass einem bei einem erneuten Auftreten solcher Ungewöhnlichkeiten etwas zustößt. Nicht aber, wenn man mit etwa fünfzig Mitgliedern von juFORUM unterwegs ist! Physiker wüssten uns durch geschickten Einsatz relativistischer Grundsätze aus eventuellen Windhosen zu befreien, Mathematiker wüssten jedes Problem durch Integration zu lösen, unsere Biologen würden unseren Körper mithilfe bestimmter gentechnischer Veränderungen in kurzer Zeit resistent gegen jeglichen Orkan machen. Falls doch etwas passierte, wären immer genügend Mediziner zur Hand und schließlich wüssten die Flugzeugbauer, wie man uns rasend schnell aus Krisensituationen evakuiert. Man sieht also: auch dieser Congress konnte nur ein voller Erfolg werden!

Erster Treffpunkt am Mittwochabend war unser Hotel Figaro: das kleine, sehr zentral gelegene Hotel sollte uns in den nächsten Tagen als Schlafstätte und Ausgangspunkt für die Exkursionen dienen. Nach dem Abstellen der Tasche ging es gleich in das Restaurant La Luna, wo ein leckeres Buffet aufgebaut war. In dieser lockeren Atmosphäre, bei Pasta und Risotto, war die Kontaktaufnahme (mit Namensschildern ausgestattet) kein Problem mehr! Schwieriger (exponentiell steigend) gestaltete sich da schon das Aufstehen am nächsten Morgen. Unser erster Programmpunkt war die Besichtigung von Airbus, welche für viele der heimliche Favorit des Congresses war. Die Vorfreude war also gewaltig, und es war auch genügend Zeit, um sie noch größer werden zu lassen. Zuerst wurden wir mittels Fähre auf das andere Elbufer übergesetzt. Bereits auf der Fahrt erhielten wir einen ersten Eindruck von der Größe des Hamburger Hafens.

In Finkenwerder angekommen, musste erst jeder von uns auf eventuelle terroristische Veranlagung bzw. Mitgliedschaften in Geheimdiensten überprüft werden. Doch auch während dieser Zeit wurde es einem nicht langweilig, denn wir durften original Hamburger Wetter genießen (für Hamburg-Laien: dies heißt, man steht unter einer gleichmäßig grauen Wolkendecke, aus der immer wieder Nieselregen fällt, und alles in allem ist es eher kühl). Doch der Empfang entschuldigte jedes Warten vor den Toren: "juFORUM" wurde persönlich auf einer großen Leinwand auf dem Firmengelände begrüßt! Nichts ahnend wurden Fotoapparate gezückt und Fotos geschossen, doch schon wenige Minuten später wurden wir darauf aufmerksam gemacht, das Fotografieren doch bitte zu unterlassen. Hier bleibt eben nichts unbeobachtet, und alle, die fotografiert haben, gelten jetzt ganz sicher als potentielle Geheimagenten! Nichtsdestotrotz durften wir immer noch in den Genuss eines tollen Vortrags über Airbus kommen, bevor es dann (endlich) in die "heiligen Hallen" des Flugzeugbaus in Europa ging. Beeindruckend, mit welcher Präzision das Material verarbeitet wurde und wie dünn das Metall ist, wie viele tausend Arbeitsschritte nötig sind, ehe es möglich ist, in ferne Länder abzuheben. Doch erst einmal galt es, wieder zurück nach Hamburg zu kommen. Zuallererst wurde jedoch noch ein kurzer Imbiss mit originalen Airbus-Brötchen eingenommen.

Diskussion mit STERN-Redakteuren

Mit Vollgas ging es in Richtung des nächsten Programmpunktes: Mitten im modernen Verlagshaus des Gruner+Jahr Verlags erwarteten uns Frau Heißmann und Herr Koch von der Wissenschaftsredaktion des STERN. Schließlich ist der "Stern" seit Beginn Förderer und Initiator von Jugend forscht. Uns wurde erlaubt, den beiden mehr als eine Stunde lang Löcher in den Bauch zu fragen, gebremst nur durch den drohenden Arbeitsschluss der einzelnen Redaktionen. Überhaupt seien alle zukünftigen Gastgeber einer juFORUM-Gruppe gewarnt, dass sie mit Eröffnung einer Fragerunde auch wirklich eine Vielzahl derer zu hören bekommen werden und diese dann auch beantwortet werden müssen. Doch nach etwa 2 Stunden ging es dann ins Archiv und die Fotostelle was sich teilweise etwas kompliziert gestaltete, schließlich sind die Räume für 10 Personen ausgerichtet. Das Chaos ist leicht vorstellbar, wenn sich plötzlich 50 Personen mehr um einen Computer stellen und möglichst alles hören, sehen und verstehen wollen? Bis zum Ende blieb es uns ein Rätsel, nach welchem System Redakteure ein bestimmtes Foto aus dem Wirrwarr von tausenden neuen Fotos pro Tag heraussuchen. Aber wie man jede Woche aufs Neue sehen kann, gelingt es ihnen anscheinend irgendwie.

Die Reeperbahn bei Nacht?

Dieser erste Tag wurde durch den Besuch des Hamburg-Musicals Heiße Ecke auf der Reeperbahn abgerundet. Der Name allein ließ ja schon eine Vielzahl an Assoziationen zu; im stilvollen Ambiente des Theaters Schmidts Tivoli wurde uns, nicht ohne Selbstironie, das wahre Wesen der Reeperbahn gezeigt. Die lustigen Charaktere ließen den ersten Tag angenehm ausklingen.

Allerdings musste sich so manches Mitglied mal wieder konservativ an den Terminplan klammern und den letzten Programmpunkt des Tages, nämlich die sozialwissenschaftlichen Studien, in Angriff nehmen. Und wo lässt sich dies besser machen als in einer der vielen kleinen Bars von Hamburg? Auch der zweite Morgen startete relativ zeitig, wenn man bedenkt, mit welchem Engagement man am vorherigen Abend bzw. diesem Morgen den "sozialwissenschaftlichen Studien" gefrönt hatte. Trotzdem erschienen alle pünktlich zum Frühstück. Es sei hier einmal auf das "Organisationstalent" aller Teilnehmer hingewiesen: Obwohl es nur ein paar Duschen und nur eine Toilette pro Etage gab, gelang die Aufteilung immer perfekt! Auch ist es erstaunlich, wie wir es tatsächlich fertiggebracht haben, alle Teilnehmer auf einige wenige Gruppentickets aufzuteilen, dennoch gab es diesbezüglich so manche Verwirrung.

Diesmal führte uns die Bahn zum Max-Planck-Institut für Meteorologie. Wen man nun genau für das regnerische Wetter in Hamburg verantwortlich machen kann, wollte man uns hier zwar nicht erklären, aber dafür durften wir das Zentrum der deutschen Klimaforschung besuchen. Eine deutliche Veränderung des Klimas in Hamburg in den nächsten 20 Jahren konnte uns hier nicht prognostiziert werden, aber vielleicht regnet es in hundert Jahren aufgrund der Erderwärmung in Hamburg ja noch mehr.

Von Klimarechnern und lachenden Röntgengeräten

Der Ursprung dieser Theorien befindet sich hoch über den Dächern Hamburgs. Ein ganzer Raum wurde hier einem Hochleistungsrechner reserviert, der aus dem ständig ankommenden Datenchaos Klimahochrechnungen entwerfen soll. Um Kälteeinbrüche bzw. zu viel Ruhe braucht man sich in diesem Raum keine Sorgen zu machen: Dank der Lüftungen der Rechner ist dafür immer gesorgt!

Nachdem bisher alles gemeinsam unternommen wurde, kam nun der erste Punkt der Trennung. Der Abschied fiel keinem wirklich leicht, und Tränen flossen, aber man wusste ja, dass man sich in wenigen Stunden wieder sehen würde! Die Firma Philips produziert sowohl Halbleiter als auch Medizintechnik in Hamburg. Die Gruppe, die sich für Medizintechnik entschieden hatte, konnte die neuesten Konzepte von Philips erleben: Röntgenapparate inmitten bunt bemalter Zimmer mit angenehmer Musik und lauter lachenden Menschen - und jeder freut sich auf den Besuch beim Arzt. So zumindest sieht die Zukunftsmusik bei Philips aus. Die Fertigung eines Röntgenapparates läuft da um einiges steriler und profaner ab. Trotzdem gab es so viel zu sehen, dass aus zwei Stunden Werksbesichtigung kurzerhand vier wurden, was man schließlich seinen Beinen mehr als deutlich angemerkt hat. Der Platz in der U-Bahn war also eine wirkliche Erleichterung und alle warteten auf (Ent)Spannung im Planetarium zum Programm Deep Space Night 2. Hier konnte man sich in den äußerst bequemen Sesseln zurücklehnen und wurde zu verschiedener Musik mithilfe von Projektionen an die Kuppel und einer spannenden Lasershow in das Reich der Sterne entführt, oder auch ins Reich der Träume, was aber weniger an der Vorführung als am akuten Schlafmangel lag.

Nachdem man sich etwas widerwillig aus den weichen Sesseln erhoben hatte, war auch dieser Abend wieder der Erkundung des Hamburger Nachtlebens gewidmet. Dies tat jeder auf seine Art und Weise - enttäuscht war ganz sicher niemand!

Das morgendliche Programm bekam nun schon langsam Routine. Frühes Aufstehen, Sprung unter die Dusche, ein Blick in den Spiegel und das erschreckte Erkennen immer größer werdender Augenringe, die Zeit fürs Frühstück fand weitere Optimierung? Und ehe man sich versah, saß man bei Kapitän Prüsse an Bord. Auch an diesem Morgen begrüßte uns das Hamburger Wetter; da war man nicht überrascht, dass es auch noch zu regnen begann.

Auf einem Boot, das neben den Übersee-Containerfrachtern (die dort be- und entladen wurden) wie eine Nussschale wirkte, tuckerten wir durch den ganzen Hafen, u.a. an der Reederei Blohm & Voss vorbei.

Diejenigen, die nach der Rundfahrt noch nicht genug vom feuchten Element hatten, wagten einen Spaziergang durch die Elbe. Allerdings war dies weder gefährlich noch nass, schließlich ging es einfach durch den Alten Elbtunnel. Es folgte die Fahrt zur Uni mit Vorträgen zur Teilchenphysik und zu Nerventätigkeiten, wo unsere Gehirnleistung der Anschaulichkeit halber mit gewöhnlichen Speichereinheiten des Alltags verglichen wurde (zum Glück liegen da immer noch Welten zwischen). Und schließlich war es Zeit für die alljährliche Mitgliederversammlung.

Rasante Mitgliederzunahme

Wie es sich für einen richtigen Verein gehört, mussten hier alle Formalien abgeglichen werden. Eventuelle schlaflose Nächte der Vorsitzenden und des Kassenwarts erwiesen sich hier als unbegründet. Danke für alle organisatorische Arbeit! Es wurden manche Posten neu belegt und zukünftige Projekte festgelegt. Freudig konnte festgestellt werden, dass aus dem ehemals kleinen Verein nun schon eine Mitgliederzahl entstanden ist, welche die Hundertergrenze übersteigt! Heiß diskutiert wurde um den Austragungsort für den nächsten Congress. es gewann Göttingen. Wir wünschen viel Spaß bei der Organisation und freuen uns schon an dieser Stelle auf das nächste Jahr. Der JungforscherCongress in Hamburg ist auf jeden Fall mehr als ein gutes Vorbild für alle weiteren.

Den Abend dieses vierten Tages verbrachten wir im Restaurant Hornbachers und hier gab es alles, was das Herz bzw. der Magen begehrte: leckere Salate, Fleischspezialitäten, Kartoffelbällchen, Aufläufe und Rote Grütze mit Vanillesoße. Am letzten Abend in Hamburg konnte also nach Herzenslust geschlemmt werden. Nachdem der Magen befriedigt war, ging es ans Weiteressen, Weitertrinken, Quatschen, Spielen, Tanzen? Schnell war jedem klar, dass diese Nacht noch kürzer werden würde als die vorhergehenden? denn schließlich ruft jeden Sonntag in Hamburg der Fischmarkt. Wer sich am nächsten Morgen also wirklich aus dem Bett auf den Fischmarkt machte, wurde erstmalig mit schönem Wetter und Sonnenschein belohnt. Auf dem Fischmarkt herrschte geschäftiges Treiben, und man konnte wirklich alles erwerben: Grünpflanzen, Obst und Gemüse in allen Varianten, Anziehsachen, Ostereier, Spielzeug und natürlich nicht zu vergessen Fisch. Es wäre sicher spannend gewesen, ein solches Paket mit Zander, Aal und Co. mit in den Zug auf die Heimfahrt zu nehmen - eine Garantie für ein eigenes Zugabteil! Doch noch lag die Trennung ja noch in einiger Ferne. Krönender Abschluss der Hamburgtage wurde die Stadtführung. Geplant war die Teilung der Gruppe in zwei Führungen, aber irgendwie hatte ein Stadtführer uns wohl vergessen. Eine Klage vor dem Bundesgerichtshof gegen den Stadtführer wurde fallen gelassen. Wie anfangs erwähnt, befinden sich zwar Physiker, Mathematiker, Chemiker etc. unter uns ein Jurist fehlt uns aber noch!

Und nun war es da. Wie ein dunkler Schatten tauchte es aus dem Nichts aus, keiner ahnte es, wollte es - und doch mussten wir uns alle ihm beugen: Das Ende des Congresses. "Wenn es am Schönsten ist, soll man aufhören", getreu diesem Motto verstreuten sich alle wieder über ganz Deutschland. Im Gepäck einen Haufen neuer Erfahrungen, neuer Freundschaften, und vielleicht auch den ein oder anderen Fisch. Die Organisation dieses Congresses war perfekt, alles hat geklappt, und jeder hatte eine Menge Spaß. Ja und schließlich ist jedes Ende auch immer wieder ein Anfang. Nächstes Jahr sehen wir uns in Göttingen!

Claudia Wittkowske

Valerian Hahn

Hendrik Rene Kolvenbach