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Sokrates hat über sich gesagt: „Ich weiß, dass ich nicht weiß“ und daraus für sich den Weg entwickelt, über immer neue Fragen an seine Mitmenschen ein mehr an Wissen zu erhalten. Oberflächlich gesehen scheint es so, als ob Naturwissenschaftler(innen) und Geisteswissenschaftler(innen) stärker von der Erkenntnis geprägt zu sein scheinen, dass die jeweils andere Wissenschaft wesentliches Wissen ausblendet.

Wenn man sich die Arbeiten, die Denkweise, die Methoden von Geistes- und Naturwissenschaftler(innen) ansieht, treten erhebliche Unterschiede in der Wahrnehmung und Deutung des Daseins zutage. Doch leben Naturwissenschaftler wirklich nur in Zahlen und Formeln und können Geisteswissenschaftler so lange über einen Gegenstand reden, bis er so weit ist, wie sie ihn haben wollen?

Bei diesem Seminar sollen Natur- und Geisteswissenschaftler(innen) ins Gespräch gebracht werden, das Typische wird zu erkunden versucht, die Vorurteile und die Frage nach dem Verbindenden. Neben den eigenen studentischen Erfahrungen, die in Workshops und Diskussionen zum Tragen kommen, werden Wissenschaftler Einblick in die Besonderheiten ihres Fachgebietes geben.

Ich weiß, dass du nicht weißt

Können Natur- und Geisteswissenschaftler sich begreifen?

Bericht von Constanze Schmidt

Stimmt es eigentlich wirklich, dass Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler nicht gern über ihren eigenen Tellerrand hinausschauen, und sich nur ihrer eigenen fachspezifischen Methodiken bedienen? Dieser provokativen Fragestellung wollten wir auf den Grund gehen. Die Idee dazu entstand bei Marco und mir auf dem Jufo-Congress 2004 in Heidelberg. Sie entwuchs der leicht vorwurfsvollen Feststellung des Heidelberger Medizindekans, dass fast alle Jugend-forschtler Naturwissenschaften studieren und kaum in geisteswissenschaftlichen Disziplinen zu finden sind. Aber sollte das heißen, dass man sich durch die Wahl seiner Studienrichtung thematisch und methodisch, und zuletzt auch gedanklich endgültig für sein weiteres Leben festlegt?

Durch Marcos Zivildienststelle bei der katholischen Hochschulgemeinde Hildesheim stießen wir sofort auf eine begeisterte Zusammenarbeitsmöglichkeit bezüglich einer Seminargestaltung zu diesem Thema. Finanzielle Mittel wurden ebenfalls sofort von Seiten der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Hochschulgemeinden in Bonn zugesichert.

So konnte nach einer sechsmonatlichen Planung, von sechs Beteiligten, das Seminar, am Freitag, den 21.01.2005 im Energie- und Umweltsparhaus in Eldagsen bei Springe in der Nähe von Hannover stattfinden. Nachdem in Windeseile noch die letzten Vorbereitungen getroffen, und allerletzten Details besprochen waren, trafen auch schon die ersten Teilnehmer mit Koffern und Cello beladen ein.

In einer ersten Begrüßung wurde ein kurzer Abriss über den Zeitplan des Seminars gegeben, ohne schon zu viel Inhalte preiszugeben. Im Anschluss versammelte man sich zum ersten gemeinsamen Abendessen mit ”vollwertiger und ökologischer“ Kost des Hauses. Zum klären aller w-Fragen schloss sich ein kleines Kennlernspiel, sowie eine ”zu“ kurze ”Ausstellung“ jedes Teilnehmers zu seiner Fachdisziplin an. Die Diversität der vertretenen Wissenschaftsdisziplinen garantierte einen langen Abend...

Am Samstag wurde dann pünktlich um 8.30 Uhr gefrühstückt, um gestärkt in den für den Vormittag geplanten ersten Workshop zu gehen. Getrennt nach Natur- und Geisteswissenschaftlern mit jeweils drei Beobachtern, wir Organisatoren, galt es für jede Gruppe die Problematik ”Der Mars – Die letzte Hoffnung“ basierend auf einer kurzen Vorgeschichte zu bearbeiten. Bei einer anschließenden Präsentation von Natur- und Geisteswissenschaftlern hinsichtlich ihrer Ergebnisse lag eine heftige Diskussion schon nach der ersten Präsentation in der Luft. Während sich die Geisteswissenschaftler bei ihrer Bearbeitung fast ausschließlich auf eine ethische Fragestellung konzentriert hatten, präsentierten die Naturwissenschaftler einen komplett ausgearbeiteten und technisch durchkonzeptionierten Plan für eine bevorstehende Marsübersiedlung innerhalb der nächsten 30 Tage. Und auch von Seiten der Beobachter waren starke methodische Differenzen beider Gruppen zu beobachten. Im Diskussionseifer fielen Argumente wie ”wir haben die Ethik entschieden“ (Naturwissenschaftler) und ”Gott würfelt nicht, er zockt“ (Geisteswissenschaftler), wobei die Diskussion im Licht eines gemeinschaftlichen Debattierens stand. Nach einem ”heiß debattierten“ Mittagessen begann der Nachmittag mit zwei Vorträgen. Es galt etwas aus der Sichtweise der Natur- und Geisteswissenschaft jeweils über die eigene Wissenschaftsdisziplin zu erfahren. Hierfür waren aus der Sparte der theoretischen Physik Herr Prof. Kree von der Universität Göttingen, sowie aus der Philosophie Herr Dr. Ian Kaplow von der Universität Hannover eingeladen. Die anschließende Diskussion wurde erst beendet, als die physische Müdigkeit doch allseits die Oberhand gewann. Den Tagesausklang, angemessen an dem geistigen Erschöpfungsgrad fast aller Teilnehmer, bildete der Film ”A beautiful mind“.

Für den Sonntagvormittag war ein zweiter Workshop geplant. Hierbei sollte nicht ein separiertes Arbeiten von Natur- und Geisteswissenschaftlern, sondern ein gemeinsames Arbeiten im Vordergrund stehen. Zum Thema ”eleganten Unsinn“ zu produzieren, hieß die Aufgabenstellung, eine Formel oder ein Gedicht, welches jeweils in Kleingruppen, möglichst gemischt nach Fachdisziplinen, mit einer kontextfremden Methodik zu bearbeiten. Die plenare Ergebnispräsentation der einzelnen Arbeitsgruppen, beanspruchte bereits nach der ersten Vorstellung den geistigen Humor in vollem Umfang. Auch hier war die auftretende Diversität der Projektergebnisse verblüffend.

Im Anschluß an eine resümierende und zurückblickende Austauschund Diskussionsrunde, stand nach einem letzten Mittagessen die schwere Stunde des Abschieds vor der Tür. Eine Woche der eigenen Fachdisziplin ließ nun wieder auf sich warten... aber der ein oder andere Gedanke an dieses Wochenende wird sie vielleicht doch durchbrechen!

Aus einer ”Blitzidee“ wurde ein sehr anregendes und interessantes Seminar, in einer umweltfreundlichen Rahmenatmosphäre, mit interessanten Menschen.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer, natürlich die AKH, ohne die dies finanziell nicht möglich gewesen wäre, und einen ganz besonderen Dank an Thomas Harling und die übrigen Organisatoren.